WOCHENENDHAUS IM WIENERWALD, EICHGRABEN

Ein charmanter Fußweg führt vom Bahnhof Eichgraben zu einem steil abfallenden Grundstück im Wienerwald. Straßenseitig wird es mit ortstypischen Buchen gesäumt, wovon zwei für den Neubau weichen. Die restliche Vegetation bleibt unberührt, der Hang von baulichen Eingriffen möglichst verschont. Die vorgefundene Wildnis steht für die vierköpfige Familie als Pendant zu ihrer Wiener Mietwohnung. Das Wochenendhaus soll mit der Natur koexistieren, ohne ihre Qualitäten zu nehmen. Reduktion ist gewünscht — handwerkliche Eigenleistung nicht nur finanziell notwendig, sondern auch des Bauherren Leidenschaft.




Den Abhang zwischen Straße und Haus überspannen auf I-Trägern liegende Gitterroste. Die Stahlbrücke dient zum Abstellen von Autos sowie als Zugang. Beim Betreten des Wochenendhauses fällt der erste Blick auf die Baumkronen des bewaldeten Grabens. Dieser Ort der Begierde, des Seins und des Werkens wird erst mittels einer schleifenförmigen Abwärtsbewegung durch den Holzbau erschlossen. Außenrum ist es fast zu steil. Sieben Stufen führen vom Eingangsniveau mit Bad, Küche, Essplatz und Galerie in das nach unten versetzte Wohnniveau — sieben gegenläufige Stufen in das Schlafniveau, welches zum Teil in der Erde steckt und den verwilderten Garten erschließt.





GRUNDRISS STRASSENGESCHOSS
GRUNDRISS GARTENGESCHOSS










SCHNITT
WESTANSICHT
SCHNITT
SÜDANSICHT
SCHNITT
OSTANSICHT
NORDANSICHT


Hangseitige Sichtbetonwände um die Schlafnischen verankern den Holzbau im lehmigen Gelände. Talseitig tragen I-Profile aus rohem Stahl den auskragenden Wohnraum und die anschließende Terrasse. Zusammengeschweißt wurden sie unter artistischem Geschick vor Ort. Das mit Wellblech gedeckte Pultdach überdeckt Haus wie Terrasse und verläuft hangparallel. Durchschnitten wird es nur vom Außenkamin, welcher die Südfassade ziert. Der angeschlossene Schwedenofen erwärmt das Innere an kalten Wochenenden.



Eine baurechtliche Ausnahme ermöglicht einfache Bauteilaufbauten für kleine Gebäude. Somit werden die Wände aus Brettsperrholz nur mit dünnen Holzfaserplatten bekleidet. Das darüber liegende Windpapier schaut hinter den breiten Fugen der horizontalen Fichtenschalung hervor. Ähnlich der Anzeige einer alten Hifi-Anlage verlaufen die Bretter in unterschiedlicher Höhe vom anschließenden Gelände bis unter das aluminiumgedeckte Dach.



Die Decken sind direkt mit blauem oder grünem Linoleum belegt — Fußbodenaufbau gibt es keinen. Ihre verleimten Schichten offenbaren die Brettsperrholzplatten an den Niveausprüngen sowie an den roh belassenen Leibungen. Der mittige Wohnraum ist bis auf den Ofen leer und steht jeder Nutzung offen. Ansonsten definieren kompakte Einbaumöbel wie Sitzbänke, Küche und Betten die Flächen. Gebaut hat sie der Bauherr nach und nach unter Verwendung der Reste des Linoleums sowie dem Verschnitt der Seekieferplatten und der Fichtenbretter.

STANDORT Eichgraben, Niederösterreich
AUFTRAGGEBER Privat
TYP Wochenendhaus mit Eigenleistung
PLANUNG 2024 / AUSFÜHRUNG 2024-2025
LEISTUNGSPHASEN 1-7
MITWIRKENDE Alexandra Isele, Leo Habsburg, Mena Ghaly
FACHPLANER Thurner Engineering (Statik), IBO (Bauphysik)
FOTOS Simon Oberhofer
© 2026
HABSBURG ISELE ARCHITEKTEN ZT GMBH
© 2026 HABSBURG ISELE ARCHITEKTEN ZT GMBH